1. Geburt – Einleitung nach Blasenriss
-Der Marathon meines Lebens-

Hallo ihr Lieben!

Auf dem Blog war es jetzt ziemlich lange ruhig. Das hat einen einfachen Grund. Am 8.10. hat unser Söhnchen nach einem langen, anstrengenden Marathon das Licht der Welt erblickt. Wir genießen seither unsere gemeinsame Zeit und sind mittlerweile schon ein gutes Team. Langsam hat sich auch eine Routine eingeschlichen und ich finde die ein oder andere Minute, um weiter am Blog zu arbeiten. Heute gibt’s unseren Geburtsbericht. (Achtung ausführlich!) Und ich verrate euch den Namen, sowie alle Geburtsdaten. Eins vorab – die Geburt war ganz anders als erwartet. Das Wichtigste aber, wir sind alle gesund und munter.
Aber mal ganz von vorn…

ETAPPE 1 – Fiese Schmerzen und ein seltsamer Ausfluss

In der Nacht auf den 7.10. (SSW 36+6) lag ich, wie schon einige Nächte zuvor, mit starken Unterleibsschmerzen im Bett. Gegen 1 Uhr beschloss ich wieder aufzustehen, da ich keine auch nur halbwegs bequeme Position fand und somit an Schlaf nicht zu denken war. In der Schwangerschaft ist an Wehwehchen ja so gut wie alles möglich, deshalb dachte ich mir auch nicht viel, als ich vermehrten, ziemlich nassen Ausfluss bemerkte. Da wird wohl wieder was vom Schleimpfropf abgehen, wie Tage zuvor auch schon. Am nächsten Morgen war der Ausfluss noch unverändert „komisch“ und langsam machte mich das nervös. Dr. Google berichtete öfter von „vorzeitiger Blasensprung“ und auch die Art meines Ausflusses passte zur Fruchtwasserbeschreibung. Aber Moment – wenn die Fruchtblase geplatzt ist, müsste das Fruchtwasser doch nur so strömen! Irgendwie hatte ich ein seltsames Gefühl bei der Sache. Ich schickte meinen Mann in die Apotheke pH-Streifen zu besorgen, mit denen man auf Fruchtwasser testen könne. Und tatsächlich sah es nach dem Test ganz danach aus, als ob ich Fruchtwasser verlieren würde…
Langsam wurde ich richtig unruhig. Meine Kliniktasche war noch nicht fertig gepackt! #teamaufdenletztendrücker – der Kleine darf jetzt noch nicht kommen, sagte ich meinem Mann unter Tränen. Dieser war noch ziemlich gelassen [wie er es Gott sei Dank eigentlich immer ist] und half mir die letzten Sachen zusammenzusuchen. Mein Gefühl sagte mir, dass wir unbedingt in’s Krankenhaus müssen, um das Ganze überprüfen zu lassen. Wir haben beide noch schnell geduscht, haben die Kliniksachen geschnappt, uns von Lissy verabschiedet und haben zum letzten Mal zu 2. das Haus verlassen.

Ich hatte bis dahin immer noch permanente, durchgängige Unterleibsschmerzen. Das können doch keine Wehen sein, dachte ich immer wieder. Aber warum verliere ich dann Fruchtwasser? [Ich hatte mir im Vorfeld alle Geburtsszenarien durchdacht, aber ein vorzeitiger Blasensprung ohne Wehen, war nicht dabei.]

Im Krankenhaus angekommen, watschelte ich unter größter Anstrengung in den Kreißsaal und meldete der zuständigen Hebamme, dass ich „komischen“ Ausfluss habe und mir nicht sicher bin ob es sich um Fruchtwasser handle.

Daraufhin begleitete sie uns in einen Raum und ich nahm auf einer Liege Platz, wo ich an’s CTG angeschlossen wurde. Dort war keine einzige Wehe zu sehen. „Das gibt’s doch nicht!“ dachte ich, was sind das dann für widerliche Unterleibsschmerzen? Gleichzeitig testete die Hebamme auf Fruchtwasser und das Ergebnis war ziemlich schnell deutlich – das Stäbchen färbte sich dunkelblau – Fruchtwasser! Ich hatte wohl einen hohen Blasenriss und dadurch tröpfchenweisen Fruchtwasserverlust. Na super. Mir dämmerte schon, was das bedeuten würde…

ETAPPE 2 – die Einleitung beginnt

„Wir müssen sie einkassieren!“ waren die Worte der Hebamme. Die Geburt solle nun eingeleitet werden. Mein Mann und ich schauten uns an und ich fragte ihn ganz perplex, ob er glauben kann, dass es jetzt wirklich losginge. In wenigen Stunden (Tagen?) würden wir unseren Herbstjungen im Arm halten! Wir waren beide ziemlich konfus – mit solchen Umständen hatte auch mein Mann nicht gerechnet. Eine Assistenzärztin klärte mich über die Einleitung auf und meinte, es könne jetzt einerseits ganz schnell gehen oder andererseits noch Tage(!) dauern. Da durch den Blasenriss erhöhte Infektionsgefahr für’s Baby bestand, sollte ich ab sofort alle 8 Stunden eine Antibiotikainfusion bekommen, ebenso unter der Geburt.
Außerdem sollte ich von nun an, engmaschig am CTG überwacht werden.

Die Hebamme setzte nun das Gel für die Einleitung ein (direkt an den Muttermund), was ziemlich unangenehm war und brannte. Für’s Erste war jetzt alles getan und ich wurde auf mein Zimmer gebracht. Ein Mehrbettzimmer mit frischgebackenen Mamis, und ich wusste, dass es wohl so oder so in dieser Nacht wenig Schlaf geben würde…
Da unser Baby mit dem Köpfchen schon fest im Becken lag, durfte ich laufen. [anderweitig bestünde die Gefahr eines Nabelschnurvorfalls und ich müsste ausschließlich liegen].

Die Schwester schickte uns spazieren, da das den Geburtsverlauf beschleunige und dem Baby helfe, die richtige Position im Becken zu finden. Das war aber weniger ein Spaziergang als ein mühsames Watscheln und immer wieder stehen bleiben, um zu verschnaufen. 2 Stunden später, gegen 22 Uhr, schickte ich meinen Mann nach Hause, damit er sich noch etwas ausruhen konnte. Ich hatte nicht das Gefühl, dass das kleine Männchen sich so schnell auf den Weg machen würde. Als ich im Bett lag, ging mir vieles durch den Kopf. SO hatte ich mir die Geburt definitiv nicht vorgestellt! Warum ist die Blase gerissen? Ich hab doch noch keine einzige Wehe. Der Kleine macht noch keine Anstalten rauszuwollen und wird nun quasi gezwungen. Das trieb mir Tränen in die Augen [#zuvielegedankenmacher]. Die zweite schlaflose Nacht in Folge brach an.

Gegen 3 Uhr veränderten sich die Wehen langsam. Sie kamen jetzt regelmäßig alle 7 Minuten und hielten für knapp 2 Minuten an. Da ich jetzt schon deutlich veratmen musste, wusste ich, das müssen nun „richtige“ Wehen sein. Ich war hin und hergerissen, ob ich meinen Mann anrufen sollte, damit er kommt. Beschloss dann aber erst nochmal in den Kreißsaal zum CTG zu watscheln um zu sehen, wie „gut“ die Wehen schon sind. Im Kreißsaal dann die Ernüchterung. Die Wehen waren kaum zu sehen! Sie taten aber schon ordentlich weh, was mich einiges an Kraft kostete. Auf die Frage nach einem leichten Schmerzmittel wurde ich nur mit den Worten „sind sie doch froh, dass sie endlich Wehen haben!“ müde belächelt. Na super. Das half mir in diesem Moment auch nicht weiter. [Ich ahnte ja nicht, wie lange ich noch „leiden“ musste und dass diese Schmerzen erst der niedliche Anfang waren.]
Also wieder zurück auf’s Zimmer, schön weiter veratmet und den Morgen herbeigesehnt, wann mein Mann endlich wieder bei mir sein würde. [Wie gern hätte ich ein Einzelzimmer ohne frischgebackene Mamis und schreiende Babys gehabt! Das ist wirklich das letzte, was man in solch einem Moment braucht.] Gegen 7 Uhr morgens wurden die Wehen leider wieder schwächer und ich bekam jetzt eine viertel Tablette zur weiteren Einleitung. Die Wehen waren mittlerweile wieder wie heftige, durchgängige Unterleibsschmerzen.
Mittlerweile war mein Mann wieder da und gab mir den nötigen Halt, den ich jetzt so sehr brauchte. Zu diesem Zeitpunkt war ich körperlich durch den Schlafmangel und die Schmerzen schon total erschöpft und auch psychisch war ich in keiner guten Verfassung mehr. Es ging einfach nicht voran und ich konnte nicht anders als nur noch zu heulen. Immer wieder sagte ich zu meinem Mann „Ich schaff das nicht!“ und er bestärkte mich, dass wir das gemeinsam durchstehen würden.

ETAPPE 3 – Ich kann nicht mehr! Wo ist meine PDA?

Gegen 14 Uhr, nach zig veratmeten Wehen, konnte und wollte ich nicht mehr und wir sind wieder zum CTG in den Kreißsaal. Ich wollte wissen, ob es endlich voran geht. Und auch sah man auf dem CTG endlich deutliche Wehen und der Muttermund war immerhin schon 2 cm offen! „Jetzt sind wir mittendrin oder?“ fragte ich die Hebamme und sie lächelte und bejahte. Ich realisierte, von nun an würden wir den Kreißsaal nur noch zu 3. verlassen. In den darauffolgenden 2 Stunden probierte ich alle möglichen Positionen aus, um die immer stärker werdenden Wehen erträglich zu machen. Kreisend auf dem Pezziball, seitlich liegend auf dem Bett, oder abgestützt an der Sprossenwand. Mein Mann massierte dabei immer meinen unteren Rücken mit einem Igelball. Das war wirklich eine Wohltat! Die Hebamme bot mir zwischendurch ein warmes Bad an, was vorübergehend sehr angenehm war. Und die Wehen wurden (durch die Wärme) langsam immer heftiger [man hält nicht für möglich, dass es immer nochmal schmerzhafter gehen kann.] Die Hebamme kontrollierte anschließend nochmal den Muttermund und wir waren tatsächlich schon bei 4 cm! Wow! Könnte man denken, aber ich dachte, oh Gott, wir haben noch ganze 6 cm vor uns. Die Hebamme munterte mich aber auf und meinte, die nächsten Zentimeter würden in der Regel schneller gehen.
Ich wanderte wieder durch den Kreißsaal auf der Suche nach einer Position, in der ich die Wehen gut aushalten konnte. Irgendwann war ich dann an einem Punkt, wo ich dachte, ich brauche jetzt ein Schmerzmittel, sonst halt ich das nicht durch. Ich einigte mich mit der Hebamme für den Anfang auf ein leichtes Spasmolytikum [tief im Inneren sehnte ich mich aber nach einer PDA], welches die Krämpfe etwas lindern sollte. [Die Hebammen wollen nach Möglichkeit eine PDA so lange es geht hinauszögern, es sei denn man besteht wirklich darauf.] Die Hebamme sagte dann lächelnd zu mir „Sie haben es bald geschafft! Sie dürfen jetzt ruhig fluchen und schimpfen. Alles was sie wollen!“ :’D Und ich war tatsächlich an einem Punkt angelangt, an dem ich eine Art Wut im Bauch fühlte. Ich wollte es jetzt endlich hinter mir haben, diese ekelhaften Schmerzen. Die Wehenpausen waren auch mittlerweile so kurz, dass ich mich zwischen den Wehen nicht mehr erholen konnte. Mein Mann versorgte mich fleißig mit Wasser und Traubenzucker. Wehe um Wehe verging und ich wartete vergebens auf die schmerzlindernde Wirkung des Spasmolytikums. Leider brachte es wirklich gar nichts. Jetzt musste eine PDA her! Aber schnell. Leider konnte mir dieser Wunsch nicht erfüllt werden, denn die Hebamme meinte, die Geburt sei schon zu weit voran geschritten. Ich wusste ehrlich gesagt nicht, ob ich mich freuen soll. Ich wollte endlich diese fiesen Schmerzen los sein.

ETAPPE 4 – Hilfe ich muss pressen! Wo ist die Hebamme?

Mittlerweile lag ich wieder auf dem Geburtsbett. Ich konnte keinen einzigen Schritt mehr laufen. Nach jeder Wehe zitterte ich am ganzen Körper. Und dann bekam ich auf einmal einen fürchterlichen Pressdrang. Mist! Wo war die Hebamme? Gedanklich malte ich mir aus, wie ich mein Kind allein zur Welt brachte. Hektisch hat mein Mann den roten Knopf gesucht, um die Hebamme zu holen. Nach einer gefühlten Ewigkeit kam sie und ermahnte mich sofort streng, meinen Pressdrang zu unterdrücken, denn sie müsse erst kontrollieren, ob der Muttermund vollständig geöffnet sei. Ich glaube, das war die größte Herausforderung meines bisherigen Lebens. Einem immensen Drang vom Körper entgegen zu halten– wie ich das geschafft habe, weiß ich bis heute nicht, aber es hat enorm viel Kraft gekostet. Und endlich die tolle Nachricht der Hebamme, der Muttermund ist bis auf eine kleine Stelle geöffnet. Noch eine Wehe den Pressdrang unterdrücken und ich durfte mithelfen. Mittlerweile war jetzt auch eine Ärztin mit dabei.

ETAPPE 5 – auf der Zielgeraden

Und dann ging es in die heiße Phase. Wehe um Wehe half ich unserem Männchen zum Start in’s Leben. Doch dann wurden meine Presswehen plötzlich schwächer. Ich wurde an den Wehentropf gehängt, um den Geburtsverlauf in Gang zu halten. Der Kleine war schon in’s Becken eingetreten, doch die Wehen waren nicht mehr stark genug, als dass sie etwas ausrichten konnten. Wieder musste ich die Presswehen unterdrücken. Und zwar ganze 3 Stück, um dem Kleinen eine Pause zu verschaffen und die Herztöne wieder zu stabilisieren. Mittlerweile war ich völlig am Ende. „Ich kann nicht mehr!“ stieß ich immer wieder unter Tränen der Erschöpfung hervor. „Oh doch sie können!“ antwortete mir die Hebamme immer wieder in strengem Ton. Dann durfte ich wieder pressen. Ich sollte es im Vierfüßlerstand versuchen, jedoch hatte ich keine Kraft mehr, um mich in dieser Position zu halten. Wieder auf den Rücken gedreht stemmte ich mich nun bei jeder Wehe mit den Beinen gegen die Hebamme und die Ärztin. Das Baby hing aber noch immer fest. Die Hebamme blickte kritisch auf das CTG und ermutigte mich jetzt alle Kräfte zu mobilisieren, sonst müsse die Saugglocke zum Einsatz kommen. Das Baby müsse nun so schnell wie möglich zur Welt kommen. Und tatsächlich gab mir das einen enormen Aufwind. Ich hatte plötzlich Horrorszenarien vor meinem geistigen Auge. Mit der nächsten Wehe war dann endlich das Köpfchen sichtbar. Ich sollte fühlen und berührte vorsichtig weiche Härchen zwischen meinen Beinen. Ein Gefühl, das ich nie vergessen werde. Und wieder kämpfte ich. Das Baby rutschte nach jeder Wehe wieder nach oben. Die Situation wurde langsam wirklich kritisch und die Hebamme lehnte sich nun bei jeder Wehe auf meinen Oberbauch, um das Baby nach unten zu schieben. Und nach 2 weiteren Presswehen war er endlich geboren. Unser Söhnchen Liam Elijah. Am 8.10.2017 um 20:36 als Sonntagskind mit 2775g und 45,5cm. Der stolze Papi durfte natürlich die Nabelschnur durchtrennen und ihn somit endgültig auf diese Welt entlassen. Er kam sofort in’s Nebenzimmer zu den Kinderärzten, da er noch als Frühchen galt und überwacht werden sollte. Und als der Arzt mit ihm zur Tür rauslief, hörten wir seinen ersten Schrei. Was für ein Glücksmoment.
Nach einer ersten Kontrolle wurde er in ein Handtuch gewickelt und mir auf den Arm gelegt. Was für ein wundervoller Moment.

Unter der Geburt bin ich ziemlich stark gerissen (Dammriss 3. Grades) und wurde anschließend ganze 2,5 Stunden wieder zusammengeflickt.
Die Geburt dauerte insgesamt 16 Stunden, worunter ich 1 Stunde in den Presswehen lag.

Insgesamt waren wir 6 Tage in der Klinik. Liam hatte eine Neugeborenengelbsucht entwickelt und wurde noch einige Tage überwacht.


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